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Rundgang durch Alfeld (Leine)

Rubrik:Stadt-/Ortsbesichtigungen
Länge:2,04 km
Dauer:ca. 2,5 Stunden
Kontakt:Bürgeramt der Stadt Alfeld (Leine)
Marktplatz 12
31061 Alfeld (Leine)
Tel. 05181/ 703-111
Fax 05181/ 703-222
buergeramt@stadt-alfeld.de
www.alfeld.de

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Informationen zur Tour

Rundgang durch die Stadt Alfeld (Leine)
Marktplatz, Holzer Straße,Parkanlagen,Kalandstraße, Am Mönchehof,Winde, Klinsberg, Seminarstraße, Leinstraße Burgfreiheit.

Rathaus Alfeld (Leine)

Rathaus Alfeld (Leine)

Einen Rundgang durch die Stadt Alfeld (Leine) beginnt der Besucher am besten in ihrem Mittelpunkt, dem Marktplatz Er ist das traditionelle Zentrum der Gemeinde und diente jahrhunderte­lang dem Wirtschaftsleben, den Jahr- und Wochenmärkten, der örtlichen Gerichtsbarkeit wie den Gemeinschaftsfesten. In seinem Bereich treffen die alten Bäuerschaften, also die Stadtviertel, aufeinander. Auf dem Markplatz steht eine Bronzeplastik von Jürgen Goertz aus dem Jahre 1995.

Weiterhin steht auf dem Marktplatz das Denkmal für den deutsch-französischen Krieg 1870/71.Es wurde in Alfeld (Leine) ge­gossen und ist das größte erhaltene Zeugnis aus der frühen In­dustrialisierungsphase. Unter seinem Becken fließt der inner­städtische Warnestrang hindurch, der sowohl die Obere wie die Untere Warnemühle antrieb.

 

Die Fachwerkhauszeilen werden lediglich im Südwesten durch eine Lücke, die noch an den großen Stadtbrand von 1846 erinnert und wenige Massivgebäude hangaufwärts unterbrochen, die um 1905 entstanden.

Die unterirdische verlaufende Warne wurde in der Marktstraße vor einigen Jahren wieder geöffnet und fließt nun als offener Bach durch die Marktstraße.

 

An der Südseite des Marktplatzes erhebt sich das Rathaus.  

Sein ältester Teil ist noch deutlich durch einen gotischen Eingang zu erkennen. Es wurde 1584-86 in Renaissance­formen aufgestockt und erhielt einen Erkervorbau wie einen Treppenturm.

 

Über dem Eingang halten zwei Braun­schweiger Löwen das Stadtwappen, denn Alfeld (Leine) gehörte vorübergehend von 1523 bis 1643 zu dem welfischen Her­zogtum, während es sonst überwiegend Hildesheim unter­stand. Das Rathaus diente auch als Kaufhaus der Gewand­schneidergilde, als Hochzeitshaus und Gerichtsgebäude. Auf seinem Boden lagerten Hopfenbestände der brauberechtigten Alfelder Bürger.

Die Holzer Straße wurde ursprünglich von Fachwerkhäusern geprägt. Erwähnenswert ist das städtische Verwaltungs­gebäude.  Es entstand 1720 und gehört für die Zeit des Barock zu den großen repräsentativen Privatbesitzungen. Nr. 31 wur­de 1801 erbaut und mittlerweile erheblich umgestaltet. An seinen Besitzer Friedrich Wilhelm Gudewill erinnern noch die Initialen des Türsturzes FWG. Die Familie Gudewill stellte mehrere Bürgermeister. Auf sie geht auch die große Villa vor dem Holzer Tor  zurück, die später von der Familie v. Kuhlmann durch einen westlich angesetzten höheren Wohnteil und einen Turm ergänzt und später von einer Post­nebenstelle genutzt wurde.

Die Villa bildet mit drei weiteren Massivgebäuden ein Ensemble, das die innerstädtische Rei­henbebauung in die moderne Einzel- und Gruppenbauweise an meist rechtwinklig angelegten Straßenzügen überführt. Die Lemmersche Villa (um 1882) diente später als Gesund­heitsamt und konnte durch verantwortungsbewusste Kräfte in den frühen 1980er Jahren vor dem Abriß bewahrt werden.

 

Dieses Bewußtsein dokumentierte sich in Alfeld  (Leine) bereits im frühen 19. Jahrhundert, als die Stadt 1826 die größte der bei­den Gerichtslinden auf dem „Alten Friedhof'  fällen lassen wollte. Eine Geldsammlung rettete das Kultur- und Natur­denkmal. Es erinnert noch heute an die alte Landgerichtsstät­te für die Dörfer Eimsen, Wettensen, Langenholzen, Sack, Hörsurn und Röllinghausen. Die dreiteilige Pfostenanlage (1826) Fußnote (8) und die anschließende Buntsandsteinmauer wurden 1987 um mehrere Meter zurückgesetzt und so ebenfalls der Nachwelt erhalten.

Der Weg führt nun durch die Parkanlagen, die aus der alten, um das Jahr 1800 niedergelegten Stadtbefestigung hervorgingen. In dem großen Graben fließt seit 1317 die Warne. Zur Stadt hin folgten dann der Wall, ein schmaler trockener Graben und darauf die mit vielen Türmen versehene Mauer. Von ihr ist ein größeres Stück am Superintendenturgarten, ebenso wie der Fillerturm an der Ständehausstraße,  erhalten. Ab 1909 wurden der große Graben zu Erholungszwecken umge­wandelt, die Warne teilweise verrohrt und Teiche angelegt. Die Steingärten gehörten jahrzehntelang wegen ihrer Pflan­zenvielfalt und den floristischen Besonderheiten zu den Al­felder Attraktionen, die aber genaue Kenntnisse und sorgsa­me Pflege voraussetzten. Gedenksteine für Goethe, Schiller, Bismarck und die Wiedervereinigung zieren die Anlagen.

Verlassen wir diesen Bereich und kehren über die Kaland­straße in die Innenstadt zurück. Bis 1906 stand neben dem Superintendenturgrundstück das Kalandhaus. Es war ur­sprünglich im Besitz der Kalandbruderschaft. Der Erkervor­bau des Hinterhauses entstand 1615 und zeigte neben sym­bolischem Schmuck Brüstungsbretter mit den vier Elemen­ten, vier Temperamenten und den vier damals bekannten Erdteilen. Das Gebäude brannte 1906 ab.

An der Straße „Am Mönchehof" erhebt sich die Superinten­dentur (1612). Sie geht auf den Besitz des KIosters Marienrode bei Hildesheim (ab 1355) zurück. Die folgenden Fach­werkgebäude gehören zu dem alten St.-Elisabeth-Hospital. Das Siechenhaus wurde 1442 zum ersten Mal erwähnt. Die schlichte Kapelle enthält eine sehenswerte Deckenbemalung und einen Kanzelaltar. Das Glasfenster über der Eingangstür zeigt die Symbole der Stadt Alfeld (Leine)  und die der Handwerks­zünfte der Schmiede, Schuhmacher, Knochenhauer, Schnei­der, Bäcker, Krämer und Gewandschneider bzw. Kaufleute.

 

Das Hospitalwohnhaus wurde 1827 unter Verwendung älte­rer Bausubstanz neu erbaut. 1982 versetzte man beides von der Hannoverschen Straße in die Innenstadt.

Knapp hundert Meter weiter steht das Heimatmuseum. Es wurde 1610-12 als Lateinschule errichtet. Seine Schmuck­platten zeigen das Bildungsprogramm der protestantischen Richtung des Humanismus. 1813 gründete J. Chr. Seffer hier ein Lehrerseminar, das 1855 in ein gesondertes Gebäude um­zog. Danach diente das „Alte Seminar" wieder als städtische Schule und ab 1928 als Museum.

Das angeschlossene Tiermuseum Fußnote (beherbergt die reichhaltige Brandmüllersche Sammlung exotischer Tiere. Sie geht auf die beiden Tierhandelsfirmen Reiche und Ruhe zurück. Umgeben von zwei Kirchhöfen erhebt sich die doppeltürmi­ge gotische St.-Nicolai-Kirche zwischen Rathaus und Muse­um. In ihrem Inneren sind einige Reste des romanischen Vor­gängers erhalten, der 1205 erstmals mittelbar erwähnt wird. Aus dem 13. Jahrhundert stammt ein Triumphkreuz, während von der Einrichtung noch der Taufstein erwähnenswert ist. Die Türme und ein Teil des Ostchores entstanden zwischen 1486 und 1503, während die jetzige Dachkonstruktion aus dem Jahre 1746 stammt.

An der nahen „Winde" steht die „Bürgerschänke" (ca. 1556)  mit vielfältigen Verzierungen und Darstellungen von Schuh­machergeräten. Sie diente diesem Handwerk als Gildehaus wie Durchreisenden als Unterkunft. Das wertvolle Gebäude wurde in der Mitte der 1980er Jahre von Grund auf restau­riert.

Aus dem Bereich der „Winde" stammen früheisenzeitliche Keramikstücke, womit die früheste Besiedlung des Alfelder Kerngebietes rund 2500 Jahre alt ist.

 

Auf dem anschließen­den Klinsberg — heute Seminarstraße genannt — stehen das äl­teste Bürgerhaus (1490) und das Planetenhaus.  Die Fassade des Renaissancebauwerks zeigt die um 1612 bekannten Pla­neten, einige Sinne und Tiersymbole.

Hangabwärts erreicht man über die Leinstraße die Burgfrei­heit. Hier war früher ein mittel­alterlichen Burghügel, der urkundlich als „upwarp", also „Aufwurf", deutlich gekennzeichnet ist. Die Papierfabrik (heute Sappi)geht auf eine Papiermühle (1706) zurück und wurde 1851 von dem Tal der Wambeke auf die Leineinsel verlegt. Sie entwickelte sich zum größten Betrieb der Stadt Alfeld (Leine).

Bis 1885 überspannte eine Brücke die Leine dort, wo sich heute der Wasserfall des Leinewehres befindet. Ihre Nach­folgerin wurde zusammen mit der Bahnhofstraße angelegt, als Alfelds junge Industrie besser mit der alten Ackerbürger­stadt verbunden werden mußte.

Als 1853/54 die Bahnstrecke Hannover-Alfeld-Göttingen fertiggestellt war, begann die Industrie die Stadt umzustruk­turieren. 1856 entstand mit dem späteren AMA-Werk der erste eisenverarbeitende Betrieb, der lange als Zweigwerk der Friedrich-Carl-Hütte in Delligsen arbeitete. Aus ihm ging 1890 mittelbar das Alfelder Eisenwerk (Am­mann-IMA) hervor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1858 gründete Carl Behrens im nahen Kaierde eine Firma, die 1885 nach Alfeld übersiedelte und zunächst vorwiegend Schuhleisten und Stanzmesser herstellte

An der Hannoverschen Straße und seit den 1980er Jahren auch vor dem Ortsteil Limmer liegen viele weitere Industrie-und Handwerksbetriebe. Fußnote (21)

 

Hier errichtete Walter Gropius und Adolf Meyer ab 1911 das Fagus-Werk in Alfeld (Leine). Es gilt als Ursprungsbau der Moderne. Den Architekten gelang es, einem mittelständischen Betrieb ein völlig ungewohntes, vom Traditionellen abweichendes Erscheinungsbild zu geben. Das war möglich, weil Bauherr und Architekt eine selten günstige Konstellation bildeten. In der Person des Fabrikanten verband sich lebensreformerischer Anspruch mit amerikanischer Unternehmensphilosophie. Die produzierten Schuhleisten entstanden einerseits mittels verbesserter Fertigungsmethoden, andererseits nach neuesten Erkenntnissen der orthopädischen Fußforschung. Das Fabrikgebäude ist mit seiner repräsentativen Sachlichkeit und dem großflächigen Gebrauch von Glas auch Ausdruck eines neuen unternehmerischen Selbstbewußtseins und einer modernen Werbestrategie. Die UNESCO hat das Fagus-Werk im Juni 2011 in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt aufgenommen

Auf Gropius gehen noch das „Hochhaus" der Landmaschinenfabrik Kappe und Happe (Landhandel Ahlborn/Bartels), Bauten der Papierfabrik und Teile von Privathäusern zurück.

 

Seit dem Eisenbahnbau 1853/54 bis 1939 hatte sich Alfeld (Leine) zu einer Industriestadt entwickelt, die durch Papier-, Kork- und Eisenverarbeitung, Landmaschinen- und Schuh­leistenherstellung, Alpenveilchenzucht und Tierhandel als "Stadt der Spezialitäten" bekannt wurde.

Insgesamt wurde eine wirtschaftliche und soziale Grundlage geschaffen, die es dann nach 1945 ermöglichte, Tausenden von Flüchtlingen und Vertriebenen eine neue Heimat zu geben.

Seit dem 19. Jahrhundert wurde ferner die nähere Umgebung durch Wanderwege, Aussichtstürme und Erholungseinrich­tungen erschlossen, und die Pflege von Sitten und Bräuchen ermöglichte die Wahrung der bodenständigen Traditionen. Sagengestalten wie Hödeken und Räuber Lippold sind eben­so geläufig wie das einzige von den Brüdern Grimm im Al­felder Leinbergland gesammelte und aus dem Hils stam­mende Märchen „Das Waldhaus".

Jährlich begeht die Alfelder Bevölkerung den Jahrmarkt und trifft sich in regelmäßigen Abständen zum Heimat- und Schützenfest.

                                  

                                        

 

Weltkulturerbe Fagus Werk

Weltkulturerbe Fagus Werk

Lateinschule Alfeld (Leine)

Lateinschule Alfeld (Leine)

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